Epilepsie / Epileptischer Anfall

Der Begriff „Epilepsie“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „Anfall“. Im Deutschen nennt sich diese Krankheit auch Fallsucht. Diese Diagnose wird gestellt, wenn der Patient mehrfache, spontan auftretende Krampfanfälle erleidet, ohne dass eine erkennbare Ursache vorausgegangen ist. Bei Epilepsie kommt es zu synchronen Entladungen von Neuronen im Gehirn, die zunächst zu einem stereotypen Verhalten des Patienten führen können, wie zum Beispiel ein Verharren in einer bestimmten Position und ein starrer Blick. Im Anschluss daran folgen dann meist die Krampfanfälle. Zur Diagnostik gehört ein Elektroenzephalogramm, auch EEG genannt. Weitere Verfahren sichern die Diagnose. Durch die Gabe von krampfunterdrückenden Medikamenten kann Epilepsie behandelbar sein, es gibt allerdings auch Fälle, in denen Medikamente kaum Wirkung zeigen. Nach dem Stand der heutigen Medizin können gehirnchirurgische, operative Eingriffe erfolgen, wenn Medikamente nicht anschlagen.

Man unterscheidet zwei Arten von Krampfanfällen bei Epilepsie-Patienten: den generalisierten Krampfanfall und den partiellen Krampfanfall.

Der generalisierte Krampfanfall betrifft den ganzen Körper. Aber auch innerhalb dieser Anfallsart unterscheidet man drei Unterarten. Der „konvulsive“ Anfall ist typisch, er äußert sich mit Sturz des Patienten, totaler Verkrampfung aller Gliedmaßen und anschließenden Zuckungen von Armen und Beinen. Der Verlust des Bewusstseins ist ebenfalls sehr typisch. Oftmals beißen die Betroffenen sich während dieser Krampfanfälle in die Zunge. Der „nicht konvulsive“ Anfall wurde früher auch mal „Petit-mal“ genannt, und bedeutet eine kurze Bewusstseinspause, der Patient stürzt aber nicht, und hat auch keine Krampfanfälle. Beim „myoklonische Anfall“ treten nur unregelmäßige Zuckungen einzelner Muskelgruppen auf.

Die zweite Art der Krampfanfälle, die partiellen Krampfanfälle sind dadurch erkennbar, dass es immer ein Zeichen für den Beginn eines Anfalls in einer bestimmten Gehirnregion gibt. Tritt mit dem Anfall gleichzeitig eine Aura auf, kann man recht gut bestimmen, in welcher Region des Gehirns der Anfall ausgelöst wurde. Man erkennt einen partiellen Anfall recht gut dadurch, dass der Patient während des Anfalls wach und ansprechbar ist. Als „komplex partiell“ bezeichnet man die partiellen Krampfanfälle, bei denen das Bewusstsein des Patienten eingeschränkt ist. Meist ist der Patient während oder nach dem Anfall verwirrt und es treten auch Erinnerungslücken auf.

Der Begriff „Aura“ stammt ebenfalls aus dem Griechischen. Eine Aura kann bei epileptischen Anfällen vielfältig vorkommen: meist äußert sie sich durch ein Gefühl der Angst, das aus dem tiefsten Inneren zu kommen scheint, aber auch Taubheitsgefühle in bestimmten Gliedmaßen. In einigen Fällen kann eine Aura zu visuellen Halluzinationen führen.

Um dieser Erkrankung entgegen treten zu können, ist es durchaus wichtig, den Patienten genauestens zu untersuchen, herauszufinden aus welcher Region des Gehirns die Anfälle ausgelöst werden, was mögliche Auslöser sein können. Neben zahlreichen diagnostischen Untersuchungen wird eine genaue Anamnese erstellt. Es gibt mehr als dreißig verschiedene Arten der Epilepsie, und das bedeutet, kein Epileptiker ist wie der andere. Aus diesem Grund wirken bei manchen Patienten Medikamente, die bei anderen keine Wirkung zeigen.

Grundsätzlich kann man jedoch eine grobe Einteilung vornehmen. Symptomatische Epilepsien sind immer eine Folge nachweisbarer Hirnschädigungen. Diese können durch Unfälle hervorgerufen werden, aber auch die Folge eines Tumors sein, aber auch eine angeborene Fehlbildung könnte vorliegen. Idiopathische Epilepsien werden auf erbliche Veranlagungen zurückgeführt. Von einer kryptogenen Epilepsie spricht man, wenn weder eine nachweisbare Hirnschädigung vorliegt, noch eine erbliche Veranlagung.

Nun wird sich die Frage stellen: wie kann man helfen, wenn jemand einen epileptischen Anfall erleidet?

Früher sagte man, dem Patienten sollte unbedingt etwas zwischen die Zähne gesteckt werden, damit er während des Krampfanfalls die Zunge nicht verschlucken oder gar abbeißen kann. Wer jedoch einmal versucht hat, einem Epileptiker während eines Krampfanfalls näher zu kommen oder ihm gar noch etwas zwischen die Zähne zu stecken, wird dies wahrscheinlich kein zweites Mal versuchen. Man kann es versuchen, aber gelingen wird es in den wenigsten Fällen. Ein Patient, der gerade einen Krampfanfall erleidet, wird nicht in der Lage sein, den Kiefer zu öffnen. Stattdessen sollte man einfach rund herum Platz schaffen – Stühle und Tische aus dem Weg räumen, sowie alle sonstigen Gegenstände an denen der Patient sich verletzen könnte. Dann sollte man auf jeden Fall den Notarzt rufen, denn jeder epileptische Anfall kann eine Reihe von Komplikationen auslösen. Verliert der Patient das Bewusstsein, sollte man ihn in die stabile Seitenlage verbringen. Auch in diesem Zustand muss man dem Patienten keine Gegenstände mehr zwischen die Zähne stecken, denn der Krampfanfall ist in der Regel in diesem Moment vorbei. Der herbeigerufene Notarzt wird alles Weitere unternehmen.

Die Komplikationen, die während eines Anfalls eintreten können, sind keinesfalls zu unterschätzen. Verletzungen können auftreten, die direkt durch die Muskelkontraktionen ausgelöst werden. Das können Kratzwunden, Bisswunden, Verletzungen der Wirbel sein, aber auch Verletzungen, die durch umfallende Gegenstände ausgelöst wurden, die während des Krampfanfalls für den Patienten erreichbar waren. Das Gehirn kann zunehmend geschädigt worden sein, und dies ist von außen natürlich nicht erkennbar. In der Regel wird der Notarzt den Patienten zumindest für die nächsten 24 Stunden in eine Klinik einweisen.